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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

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Interview: Oikocredits Wirkungsbericht 2019 - Gemeinsamer Blick aufs Wesentliche mit Ging Ledesma

Interview: Oikocredits Wirkungsbericht 2019 - Gemeinsamer Blick aufs Wesentliche mit Ging Ledesma

Ging-Ledesma-web.jpg17. September 2019

Wir sprachen mit Ging Ledesma, Direktorin Soziale Wirkung und Innovation bei Oikocredit, darüber, was hinter den Zahlen in unserem Wirkungsbericht 2019 steckt.

Was bezweckt der Wirkungsbericht?

Unseren Anleger*innen sind unsere Finanzergebnisse wichtig, aber noch wichtiger ist ihnen unsere soziale Wirkung und ob wir unserem Anspruch, das Leben wirtschaftlich benachteiligter Menschen zu verbessern, gerecht werden. Wir müssen hier transparent sein und unseren Anleger*innen Rechenschaft ablegen.

Transparenz und Verantwortlichkeit – darauf beruht das Vertrauen, das unsere Mitglieder und Anleger*innen in Oikocredit haben. Ohne dieses Vertrauen hätten wir die in diesem Bericht dargestellten Ergebnisse nicht erreicht.

Der Bericht soll aber auch als Inspiration dienen. Er zeigt, was unsere Partner mit der finanziellen Unterstützung erreichen, die wir ihnen dank unserer Anleger*innen bieten können.

Was ist dieses Jahr anders? Und warum der neue Name „Wirkungsbericht“?

Der Bericht hat ein neues Layout, das viele Schaubilder und Grafiken enthält. Das macht den ihn leicht verständlich und leserfreundlich.

Der Wirkungsbericht enthält auch verschiedene neue Rubriken, wie die Zuordnung unserer Wirkungsergebnisse zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und Partnerbeispiele.

Warum ein neuer Titel? Oikocredit war in der Vergangenheit stets darauf bedacht, den Begriff „Wirkung“ nicht überzustrapazieren – wir können schließlich nicht behaupten, dass die Wirkung allein auf unserer Unterstützung beruht.

Doch „Wirkung“ ist ein weit verbreiteter Begriff, und wir hatten den Eindruck, dass wir der Arbeit unserer Partner nicht genug Anerkennung zollen, wenn wir diesen Begriff vermeiden. Denn die erzielte Wirkung ist schließlich der Verdienst unserer Partner.

Besteht ein Unterschied zwischen dem Wirkungsbericht von Oikocredit und den Wirkungsberichten anderer Sozialinvestoren?

Die übliche Herangehensweise beim Wirkungsmanagement ist sich die Reichweite sowie die Art und das Volumen der Investitionen anzusehen. Diese Zahlen sind nützlich, aber genauso wichtig ist es, über die Handlungsweise unserer Partner zu berichten.

Es geht uns darum, Fragen zu beantworten wie: Wie betreiben unsere Partner ihr Geschäft? Prüfen sie, ob sie ihre Sozialziele erreichen, und berichten sie darüber? Bieten sie Produkte und Dienstleistungen auf verantwortungsvolle Weise an?

Wenn wir also beispielsweise über die Ergebnisse unseres Portfolios im inklusiven Finanzwesen berichten, begnügen wir uns nicht damit, zu sagen, dass unsere Partner 38 Millionen Menschen erreicht haben. Wir weisen auch darauf hin, dass 73 Prozent der 466 Partner, mit denen wir in diesem Sektor zusammenarbeiten, die Kundenschutzrichtlinien („Client Protection Principles“, CPPs) befürworten.

Zugang zu Finanzdienstleistungen ist wichtig, aber ebenso wichtig ist, dass der Zugang verantwortungsvoll geschieht und die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kund*innen dabei im Mittelpunkt stehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf hinweisen, dass die Wirkungsberichte vergleichbarer Organisationen unter Umständen auf Selbsteinschätzungen beruhen, während unsere Datenerhebungen von stichprobenartigen Prüfungen durch unsere Mitarbeiter*innen vor Ort begleitet werden. Oikocredits lokale Präsenz in zahlreichen Ländern ist in dieser Hinsicht ein enormer Vorteil.

Auf welche erreichten Wirkungen kann Oikocredit besonders stolz sein?

Oikocredit ist nach wie vor eine der wichtigsten Unterstützerinnen im inklusiven Finanzwesen. Ich sage „Unterstützerin“, weil wir als Entwicklungsgenossenschaft nicht nur Finanzierungen sondern auch Beratungs- und Schulungsprogramme anbieten.

Wir können stolz darauf sein, dass wir unermüdlich darauf hinwirken und unsere Partner dabei unterstützen, kundenorientiert zu agieren und das Wohlergehen sowie den Nutzen für ihre Kund*innen ins Zentrum ihres Handelns zu stellen.

Auch unser anhaltendes Engagement in Afrika erfüllt uns mit Stolz. Mit einem Anteil von 18 Prozent an unseren insgesamt ausstehenden Projektfinanzierungen mag das Portfolio vergleichsweise klein erscheinen, doch es ist immer noch größer als die Investitionen, die die meisten anderen Organisationen in diesem Bereich tätigen.

Wir sind stolz auf die Beständigkeit, mit der wir den Landwirtschaftssektor unterstützen – ein Bereich, der ohnehin schwierig ist und sich durch die Folgen des Klimawandels wachsenden Herausforderungen gegenübersieht.

Als Genossenschaft können wir auch stolz darauf sein, dass wir andere Genossenschaften dauerhaft unterstützen. Interessanterweise sind viele Genossenschaften, die wir finanzieren, in der Landwirtschaft tätig. Wir haben besonders viele Kaffee- und Kakaogenossenschaften in unserem Agrarportfolio.

Genossenschaften sind in den Gemeinschaften vor Ort verwurzelt, sie verschaffen dem einzelnen Mitglied stärkeres Gehör bei Führungsfragen und verteilen die erwirtschafteten Gewinne gleichmäßig unter ihren Kund*innen.

Ländliche Kundschaft und Frauen erreichen – hat das immer noch hohe Bedeutung für die soziale Wirkung?

Trotz des Wandels, wie etwa der Migration aus ländlichen Gebieten in die Städte und der Ausbreitung städtischer Bereiche in ländliche Gebiete, gilt nach wie vor unsere grundsätzliche Einschätzung: In den Ländern, in denen wir arbeiten, gibt es im ländlichen Raum immer noch sehr viel Armut. Die Grundversorgung ist in diesen Gebieten immer noch mangelhaft, mit nur begrenzten Möglichkeiten für Unternehmertum und Ausbildung.

Wir wollen die Armut bekämpfen – viele ländliche Gebiete hinken der globalen Wachstumsentwicklung und dem globalen Wohlstand hinterher. Kleinbäuer*innen müssen jeden Tag aufs Neue dafür kämpfen, etwas zu essen auf den Tisch zu bringen, obwohl ihre Arbeit die Kühlschränke in anderen Teilen der Welt füllt. Zudem sind es die bäuerlichen Kleinbetriebe, die als Erstes die Auswirkungen des globalen Klimawandels zu spüren bekommen.

Frauenförderung ist ebenfalls ein besonderes Anliegen für Oikocredit. In den Ländern, in denen wir tätig sind, sieht sich die Stärkung der Frauen zahlreichen Hindernissen gegenüber, ob rechtlicher oder kultureller Art. Doch Studien – gerade im Mikrofinanzbereich – haben gezeigt, dass alle Familienmitglieder profitieren, wenn Frauen sich wirtschaftlich emanzipieren. Wenn Frauen etwa erfolgreich ein zusätzliches Einkommen verdienen, dann bedeutet das in der Regel eine bessere Ernährung, bessere Bekleidung und eine Verbesserung des Wohnraums für ihre Familien.

Hat der Bericht Bereiche aufgezeigt, wo Oikocredit sich noch verbessern sollte?

Die Zahl unserer Partner ist von 747 im Vorjahr auf 684 gesunken. Außerdem arbeiten wir noch daran, uns einen fundierten Einblick in die Wirkung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zu verschaffen, die wir über unsere Partner unterstützen.

Der Ausbau unseres Portfolios im Landwirtschaftsbereich bleibt für uns eine Herausforderung; zudem müssen wir mehr Ressourcen für Beratungen und Schulungen für unsere Partner aufstellen. Wir müssen auch verstärkt daran arbeiten, den Erfahrungs- und Wissensaustausch unserer Partner untereinander zu fördern – darin besteht eine große Chance für uns.

Laut dem Bericht liegt Oikocredits durchschnittliche Darlehensgröße bei 1,7 Millionen Euro. Wäre Oikocredit hier ein höheres oder ein geringeres Volumen lieber?

Zunächst einmal sind kleinere Kredite nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer höheren sozialen Wirkung. Andersrum bedeuten höhere Darlehenssummen nicht zwangsläufig eine geringere Wirkung. Wichtig ist, dass wir einen potenziellen Partner, der mit der Bitte um ein Darlehen an uns herantritt, nicht allein deswegen ablehnen, weil die Darlehenshöhe gering ist.

Denn schließlich gibt es uns ja gerade deswegen, da wir Unternehmen finanzieren, die bei herkömmlichen Investoren ignoriert werden.

Vielen Investoren ist das Kreditgeschäft mit Start-Ups oder kleinen Unternehmen zu teuer oder zu riskant. Wir als Sozialinvestor betrachten es als unsere Aufgabe, das Wachstum rentabler Unternehmen mit einem sozialen Auftrag zu unterstützen. Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Entsprechend erwarten unsere Mitglieder und unsere Anleger*innen, dass wir größere Risiken eingehen. Gleichzeitig bedeutet das, dass die Kosten (wegen des Transaktionsumfangs) nicht immer und unbedingt der entscheidende Faktor bei unserer Arbeit sind. 

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Partner, die mittlerweile ihr fünftes oder sechstes Darlehen bei Oikocredit abbezahlen, Anfangs Kredite mit geringeren Volumen bei uns aufgenommen haben und mit zunehmender Firmengröße wuchsen auch die Kredite.

73 Prozent aller Oikocredit-Partner befürworten die Kundenschutzrichtlinien. Wäre es unrealistisch, hier einen Wert von 100 Prozent zu erwarten?

Manche Partner befürworten vielleicht nicht die Kundenschutzrichtlinien, befolgen aber vergleichbare Standards. In Indien gibt es beispielsweise Leitlienien, die vom Netzwerk der Mikrofinanzinstitutionen ausgearbeitet wurden.

Wir haben auch mehrere Partner, bei denen es sich um regulierte Banken handelt und die daher die von der zuständigen Zentralbank erlassenen Vorschriften beachten müssen. Diese Vorschriften sind den Kundenschutzrichtlinien vergleichbar.

Wir arbeiten darauf hin, dass all unsere Partner im inklusiven Finanzwesen die Kundenschutzrichtlinien bzw. vergleichbare Standards umsetzen. Wir unterstützen unsere Partner bei ihren Bewertungen und beim Aufstellen von Aktionsplänen, um identifizierte Schwachstellen zu korrigieren.

Wie will Oikocredit diese Wirkungsergebnisse weiterverbessern?

Viele unserer Partner haben die besten Absichten und leisten gute Arbeit. Aber dennoch bleibt die Frage: Inwieweit hat ihr Einsatz eine positive Veränderung im Leben ihrer Kund*innen angestoßen?

Es ist eine Herausforderung Wandel auf Kundenebene zu erfassen, fortlaufend zu überprüfen und über Veränderungen zu berichten. Momentan sind wir nicht immer in der Lage, uns ein vollständiges Bild zu machen. Das liegt daran, dass die Indikatoren, die wir verwenden, immer noch begrenzt sind und nicht alle Partner über die Ressourcen oder Kenntnisse verfügen, um mit solchen Daten zu arbeiten.

Ich habe dieses Jahr einen Fintech-Partner besucht, der bereits Fortschritte in dieser Richtung macht. Die Mitarbeiter*innen sagten mir, dass sie früher Daten, wie zum Beispiel Firmengröße, Produktivvermögen, usw. erhoben, jedoch lediglich zum Zeitpunkt des Kreditantrags. Mittlerweile fragen sie diese Daten regelmäßig ab, sodass sie die Änderungen, die sich bei ihren Kund*innen aufgrund ihrer Dienstleistungen ergeben, erfassen können.

Was erhoffen Sie sich in Zukunft von Oikocredits Wirkungsbericht?

Ich hoffe, dass wir mehr Informationen zum Wandel auf Kundenebene erfassen können, auch wenn dies zu Beginn nur eine begrenzte Zahl von Partnern betrifft. Einige Partner haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, gemeinsam mit uns daran zu arbeiten.

Im nächsten Wirkungsbericht können wir hoffentlich berichten, dass Oikocredit sich zu einem „Bindeglied“ entwickelt hat, dass nicht nur das Teilen von Ressourcen sondern auch von Informationen ermöglicht. Bereits jetzt nutzen wir Ressourcen gemeinsam, nämlich jene finanziellen, die von den Anleger*innen zu den Partnern gehen. Aber wir können auch Wissen teilen: nicht nur zwischen den Partnern und jenen, die ihnen technische Unterstützung bieten, sondern auch unter den Partnern selbst.

Wir werden auch weiterhin von den vielfältigen Stärken von Oikocredit profitieren: von unserer lokalen Präsenz, dem Erfahrungsschatz unseres Partnernetzwerks sowie von dem Engagement unserer Mitglieder und Anleger*innen. Mit diesen Stärken können wir Netzwerke, Partnerschaften und Gemeinschaften gestalten, die alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten: das Leben der Menschen zu verbessern und eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen.

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