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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

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Kick-off Brunch

Mehr machen statt reden.

Berlin: Ein grauer Samstag im Februar. Draußen schneit es dicke Flocken. Drinnen, im Berliner Baumhaus, sitzen 16 junge Leute an einer langen Tafel. Es gibt Kaffee und Brötchen, Saft, Quiche und Quinoasalat. Menschen, die sich überhaupt nicht kennen, sind der Einladung des Oikocredit Förderkreis Nordost zum „OIKOnnect Kick-off Brunch“ gefolgt. Dass aus der Einladung nicht ganz hervorging, wozu sie sich treffen würden, war geplant. Denn: Offene Prozesse regen die Kreativität der Menschen an. Sind Ziele bereits vorgegeben, werden wichtige Phasen des Brainstormings übergangen und somit auch potenzielle Ideen zur Weiterentwicklung eines Projekts abgetötet, bevor sie überhaupt entstehen können. Ich grinse innerlich, weil ich weiß, dass das jeden, inklusive mir, erstmal aus der Komfortzone holt. Aber: Thinking out of the box kommt ja auch nicht von ungefähr.

Wer bist du? Warum bist du hier? Was inspiriert dich?

Spannend, wie aus Profilen Menschen werden: Nachdem die Teller mit leckerem Essen gefüllt sind, interviewen sich die TeilnehmerInnen und stellen sich anschließend gegenseitig vor: Der Data Scientist hat sich vom "armen Studenten" zum gutverdienenden IT-Experten entwickelt und möchte nun sein Geld verantwortlich anlegen. Die Studentin für Lebensmitteltechnologie berichtet über ihre Berufserfahrung in Ecuador, die Unternehmerin erzählt von ihrer E-learning Plattform für Nachhaltigkeit in der freien Wirtschaft. So interessant die Berufe sind, interessiert mich doch eher, warum diese Menschen heute hier sind. Alle eint das Gefühl, die Welt etwas besser machen zu wollen. Die Betonung liegt auf „machen“, denn statt akademisch über potenzielle Lösungen für soziale Ungleichheiten oder den Klimawandel zu diskutieren, möchten diese Menschen mit kleinen Schritten in ihrem direkten Umfeld eine unmittelbare Veränderung anstoßen. In einer physisch realen Gruppe und nicht in digitalen sozialen Netzwerken. Back to the roots quasi.

OIKOwas? OIKOnnect

Und der Oikocredit Förderkreis Nordost möchte den Raum dafür schaffen: Nach einer kurzen Einführung über Oikocredit als Genossenschaft und die Aktivitäten des Förderkreises wird die Grundidee von OIKOnnect vorgestellt: Eine (förderkreisübergreifende) Plattform für junge Menschen, die das Thema „ethischer Umgang mit Geld“ aus der Randzone in die Mitte der Gesellschaft rücken möchten. Die die Werte von Oikocredit teilen und sich an Veranstaltungen beteiligen möchten. Die das Ziel Nummer 12 der SDGs ins Auge fassen wollen: „Nachhaltiger Konsum“ ist das Kernthema und das kristallisiert sich auch schnell heraus, als Wünsche und Erwartungen an eine potenzielle Gruppe formuliert werden.

Geld und Geldanlage aus der Black Box holen

Ich staune, wie Menschen, die sich vor einer Stunde erst kennengelernt haben, in so kurzer Zeit in eine Dynamik verfallen, die jeden Trainer für Unternehmensentwicklung vor Neid erblassen lassen würde. „Wir müssen das Thema Geld aus der Tabuzone holen!“ höre ich aus einer Ecke während des Brainstormings, „ja, und uns selbst weiterbilden zu Fin-Tech, Bitcoins und allem, was wir über Banken wissen müssen“ schallt es weiter. „Ich möchte auch wissen, welche Kreise mein Geld in allen anderen Lebensbereichen zieht, wie es korreliert mit Lebensmitteln, Energie, Mode, …“ bemerkt eine Teilnehmerin. „Und wir sollten herausfinden, welche Projekte es zu nachhaltigem Wirtschaften hier in der Region gibt“, erwidert eine andere. Ein anderer Teilnehmer erhebt das Wort: „Leute, ich finde wichtig, dass wir hier nicht nur reden, sondern auch machen. Deshalb sollten wir auch bei uns selbst anfangen und beobachten, wo wir uns eigentlich (nicht) ethisch-nachhaltig verhalten.“

Was ist gutes Geld? Warum?

Alles klar. Dann passt der nächste Programmpunkt ja wunderbar: Auf die Tische im Raum sind Plakate geklebt. Die TeilnehmerInnen sollen sich in Kleingruppen Gedanken machen zu Fragen, die sie, ihr Umfeld und das liebe Thema Geld betreffen. Und wieder staune ich: Nach wenigen Sekunden murmelt es hier und da, an anderen Tischen wird heiß diskutiert. Ich erkenne Zeichnungen auf den Plakaten, die versinnbildlichen, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld die Welt verändern kann, sehe viele unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie man das Thema „nachhaltige Wirtschaft“ in Berlin ins Gespräch bringen kann und schaffe es kaum, die TeilnehmerInnen aus ihrem produktiven Prozess zu holen. Fast enttäuscht brechen sie die Gespräche ab, um sich dem letzten Programmpunkt zu widmen: Dem Pool der Kompetenzen.

Lust auf mehr!

Was aus Mangel an einem kreativen Flow nach typischem Lehrerformat klingt, entpuppt sich als weiteres kreativ-produktives Element: Wir schreiben auf, was wir oder andere in der Gruppe können. Und was herauskommt, ist fast ein ganzes Alphabet gefüllt mit Fähigkeiten, Soft Skills sind genauso vertreten wie Hard Skills, unter anderem Altenpflege und Autoklavieren, Digitale Netzwerkpolitik, Flamenco, Interkulturelles Training und globales Lernen, Kaffeeanbau, Nachhaltige Unternehmensführung, LKW-Fahren, Prozessgestaltung, Videoproduktion und Zuhören. „Wir könnten direkt ein Unternehmen gründen mit diesem ganzen Wissen und den Fertigkeiten, die dahinter stecken“, ruft ein Teilnehmer. Ich nicke zustimmend, während ich denke: „Yes! Das war genau das Gefühl, dass dieses Treffen hervorrufen sollte.“ Zwar setzen wir uns nicht direkt an den Businessplan, aber an drei Ziele, die wir für die Gruppe formulieren. Wir wollen bei OIKOnnect

  • Die Gesellschaft über nachhaltige Finanzen und den nachhaltigen Umgang mit Geld informieren und untereinander und mit anderen Leuten darüber ins Gespräch kommen
  • Alternativen zu Standardbanken kennenlernen
  • Uns als Mitglieder im Bereich ethische Geldanlage weiterbilden und uns mit gleichgesinnten Menschen austauschen. Wir wollen auch in unserem Alltag ethisch handeln.

Ich bin baff: Innerhalb eines halben Tages haben wir uns kennengelernt, unsere Stärken auf Papier gebracht, tiefgründige Fragen über den Umgang mit Geld diskutiert und eine Gruppe gegründet, die sich jetzt monatlich trifft um das Ganze weiterzubringen. Voller Spannung plane ich schon ein Thema für das nächste Treffen und stiefele durch die weiße Schneedecke nach Hause.

OIKOnnect Berlin trifft sich am 5. jeden Monats, der Ort wird vorher per Mail und hier auf der Website bekannt gegeben. Wer mitmachen oder informiert bleiben möchte, kann uns gerne schreiben: nordost@oikocredit.de